Genießergespräch mit Hartmut Heckmann

Im April 2014 hatte ich die Ehre, Hartmut Heckmann und seine Frau Martina Kahlert zuhause im Westerwald zu besuchen. Hartmut erzählt in intelligenter Art über seinen Werdegang als Pfeifenmacher, sein Verständnis vom Pfeifenbau und stellt seine Werkstatt sowie einige seiner Werke vor. Ich habe sehr viel gelernt, zum Beispiel über besondere Herausforderungen beim Bau von Facetten, und ich habe erstmals eine Sandstrahlkammer gesehen!

Persönliches

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Ein Teilbereich der sehr gut ausgestatteten Werkstatt. Alle Arbeiten werden im Stehen ausgeführt.

Bitte verrate uns ein bisschen was über Dich!
Hartmut Heckmann heiße ich und bin ne Printe, komme also aus Aachen. Habe als Jugendlicher schon Pfeifen gekauft, allerdings musste ich mir am Schaufenster die Nase plattdrücken bei den wirklich schönen Stücken. Das Budget hat einfach nicht gereicht. Als Erwachsener wollte ich dann genau solche richtig schönen Pfeifen selber machen!

Aber auch vor dem Pfeifenbau habe ich bereits kunsthandwerklich gearbeitet. Kunst aus Glas und Spiegeln habe ich hergestellt, mittels völlig selbst entworfener Technik, in Handarbeit. Einige „Kenner“ haben vorher behauptet, dass man Glas auf diese Weise nicht bearbeiten kann. Habe dann das Gegenteil bewiesen… Handwerkliche Herausforderungen gefallen mir!

Bist Du selbst Pfeifenraucher?
Ja klar! Die erste Pfeife die ich als Jugendlicher gekauft hatte, war sicher nicht für meinen Großvater… Nach langer Pause bin ich dann 1996 wieder eingestiegen.

Was sind Deine Lieblingstabake?
Mittlerweile bin ich bei Flakes angekommen. Ich habe dabei keine feste Lieblingsmarke, überwiegend genieße ich naturbelassene Sorten. Aktuell zum Beispiel ganz gerne den Ilsted Golden Flake. Ab und zu mal, vor allem tagsüber, auch was Aromatisiertes. Latakia mag ich auch gerne, aber im Sinne einer funktionierenden Ehe doch eher draußen…

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Die Herausforderung von Facetten reizt Hartmut besonders: Stimmige Maserung bei perfekt eingehaltener Geometrie

…Und Lieblingspfeifen?
Alte englische Charatans, die sind sehr gut gearbeitet, und äußerst vielfältig im Design. Wichtig ist mir generell eine hochwertige Verarbeitung der Pfeifen, und eine stimmige und gut ausgearbeitete Formgebung. Zum Beispiel sollen sich Rundungen auch beim Nachfühlen in der Hand wirklich rund anfühlen. Und das Holz soll natürlich möglichst spotfrei und gut gemasert sein!

Wie und wann kamst Du auf die Idee eine eigene Pfeife zu bauen?
Wie bereits erwähnt, ich hatte schon früh den Plan, wirklich schöne Pfeifen selbst herzustellen. Ca. 2005 hatte ich mit meiner Glaskunst aufgehört und wollte aber gerne kreativ weiter arbeiten. Dazu kam, dass wir in dieser Zeit einige italienische Pfeifenmacher in deren Werkstätten besucht haben. Ich hatte da das vage Gefühl, das auch zu können… Meine Frau hat mich daraufhin mit Bertram Safferling bekannt gemacht, und ich habe bei ihm einen Kurs im Pfeifenbau belegt. Dabei kam schnell der Moment der Wahrheit – als Bertram mir gleich zu Beginn ganz trocken sagte: „Hier ist der Kantel, da hinten die Bandsäge – nun schneid Dir die Pfeife mal zu!“ (lacht). Immerhin ist in diesem Zuge meine erste Pfeife, ein Icepick, entstanden. Dazu Martina, seine Frau lachend: „Die ist sogar verkauft worden!“

Neben dem Handwerklichen habe ich von Bertram gelernt, die ursprünglich geplante Form flexibel beim Bauen dem Holz, vor allem dem Verlauf der Maserung, anzupassen. Also in gewisser Weise spontan zu bleiben, ohne das Ganze der Pfeifenform aus dem Auge zu verlieren.

Was hat Dir daran so gut gefallen, dass Du dabei geblieben bist und auch bald den regelmäßigen Verkauf selbst gemachter Pfeifen gestartet hast?
Eigentlich war mir von vornerein klar, dass ich das Pfeifenbauen „richtig“ machen möchte. Ich hatte auch die ersten Maschinen recht schnell gekauft. Dazu kam, dass die ersten Versuche mich zumindest nicht entmutigt hatten, es kamen durchaus brauchbare Pfeifen raus. Wie gesagt, bereits die allererste Pfeife ist sogar verkauft worden! Das war schon motivierend.

Welche Serienpfeifen gefallen Dir besonders gut und welche überhaupt nicht?
Die alten Charatan Executives gefallen mir sehr gut, von denen habe ich einige. Vermutlich gibt es aber von allen Serienherstellern gut gelungene Exemplare, die ich mir ins Gesicht stecken würde. Hingegen lackierte Oberflächen, völlig verspottet, die gefallen mir nicht so gut.

Wie geht Dein Umfeld mit Deinem nicht ganz alltäglichen Hobby um?
Das Umfeld ist begeistert! (Martina lacht). Aber im Ernst: Ich werde unterstützt, was natürlich super ist. So lange ich einige Regeln beachte, vor allem das völlige Latakia-Verbot im Haus…

Der Pfeifenmacher

Hast Du bei bekannten Pfeifenmachern “über die Schulter schauen dürfen”?
Vor allem bei Bertram Safferling, ganz zu Beginn meiner Pfeifenmacher-Laufbahn.

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Sorgfältig ausgearbeitete Relieflinien in Harmonie mit oft hervorragender Maserung zeichnen seine Werke aus

Wie kommst Du auf Deine Ideen für die Pfeifen?
Manchmal wache ich morgens auf, habe eine Idee im Kopf. Die zeichne ich schnell auf, um sie nicht zu vergessen. So reifen Ideen zu den Shapes langsam, und werden weiter entwickelt: Ich fertige Schablonen an, und lege sie auf mögliche Klötze. Manchmal finde ich dann direkt den „passenden“ Holzklotz, und es kann losgehen. Oder es kommen genau dabei weitere, neue Ideen „am Holz“, die den ursprünglichen Entwurf nochmal weiterentwickeln. Oder es kommt was ganz Anderes raus: Wenn die Klötze mal so gar nicht zum Entwurf passen wollen, entstehen ab und an plötzlich ganz neue Ideen!

Hast Du besondere Vorbilder unter den Pfeifenmachern?
Es gibt schon einige Pfeifenmacher bei denen es sich lohnt, sich an bestimmten Stärken zu orientieren. Zum Beispiel die hervorragend gearbeiteten Facetten von Poul Ilsted, oder super gut definierte Übergänge zwischen Holm und Kopf von Ingo Garbe.

Wieviele Pfeifen fertigst Du in etwa im Jahr?
Um die 40 Stück pro Jahr.

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Eine eigene Sandstrahlbox!

Wieviele Arbeitsstunden investierst Du etwa in eine Pfeife?
Das ist ganz unterschiedlich, die Frage ist schwierig zu beantworten… Manche Formen fressen sehr viel Zeit weg, z.B. flache Reliefs bzw. Stufen, die über die ganze Pfeife hinweg gehen. Oder wenn die Maserung den ursprünglichen Plan komplett über den Haufen wirft.

Hast Du das Ziel, hauptberuflich Pfeifenmacher zu werden? Was müsste dafür passieren?
Ich gehe nicht davon aus, mal meinen kompletten Lebensunterhalt vom Pfeifenbau zu bestreiten. Wichtig ist mir allerdings, eine gewisse Anerkennung über verkaufte Pfeifen zu erhalten. Es ist schließlich eine hohe Wertschätzung, wenn jemand sein hart verdientes Geld in eine meiner Pfeifen investiert.

Gibt es spezielle Pfeifenformen, die Du bevorzugst? …und welche, die Du gar nicht magst?
Hm, Pfeifen die ich mag kann ich in drei Kategorien einteilen. Die erste Kategorie sind selbst gebaute Werkstattpfeifen. Die sind gut rauchbar, aber wenn was drankommt ist es auch nicht so schlimm. Die zweite Kategorie wären klassische Pfeifen, mit den man über die Straße laufen kann, die alltagstauglich sind. In der dritten Kategorie sind ganz besondere Pfeifen, die meisten davon sind eher große, gerne auch ausgefallene Stücke, die normalerweise das Haus nicht verlassen. Die werden z.B. bei einem gemütlichen Fernsehabend ausgepackt. …was ich nicht mag, sind extrem vorgestellte Pfeifenköpfe, so dass einem die Bude abfackelt weil die Glut vorne rausfällt! (lacht)

Hast Du ein Grading für Deine Pfeifen und wenn ja – welches?
Ja, ich benutze ein Grading. Grundsätzlich gilt: Alle Pfeifen werden mit meinem Namenslogo geprägt. Bei den sandgestrahlten bzw. teilsandgestrahlten Pfeifen bleibt es bei dem Namenslogo. Glatte Pfeifen bekommen zusätzlich stilisierte Kronen dazu, und zwar gestaffelt nach einem einfachen Prinzip: Eine Krone bei stimmigem Design und Maserung mit kleinen Spots. Zwei Kronen, wenn absolut keine Spots oder Fehler zu sehen sind. Drei Kronen gibt es, wenn Design und Maserung stimmig sind, keine Fehler zu sehen sind und dabei die Maserung besonders gleichmäßig und dicht ist. Das ist natürlich recht selten: Drei Kronen bekommen ca. 5 % meiner Pfeifen.

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In welcher Preisspanne liegen Deine Pfeifen?
Aktuell bekommt man meine Pfeifen zwischen 150 und 520 EUR

Wie würdest Du Deine Entwicklung beschreiben? Was unterscheidet Deine ersten Pfeifen von den zuletzt gefertigten?
Zum einen ist die Herstellung effizienter geworden. Arbeitsabläufe haben sich optimiert, man traut sich mit gröberen Werkzeugen weiter vor. Und ich traue mich an aufwändigere und schwierigere Designs heran, z.B. kleine Füßchen mit Applikationen daran. Ich denke auch, dass sich im Laufe der Zeit ein gewisser Stil in meiner Arbeit entwickelt hat. Der ist schwer zu beschreiben… Ich mag harmonische Formen, mit klaren Linien. Besonders reizen mich handwerklich herausfordernde Kontraste zwischen z.B. klaren, scharfen Kanten und perfekten Rundungen. Oder zum Beispiel Facetten, die sind eine riesen Herausforderung, das mag ich! Der Plan steht fest, und erlaubt keine Korrekturen. Dennoch soll natürlich die Maserung perfekt zur Form passen! Eine Pfeife muss außerdem durch Originalität überzeugen. Das kann sich z.B. in einem Füßchen oder Relieflinien ausdrücken. Ich möchte gerne für mich Neues machen, jede Pfeife soll ihren eigenen Charakter haben. Den gilt es aus dem Holz herausarbeiten…

Das Material

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Diese Klötze lassen auf viele zukünftige Schmuckstücke hoffen. Hartmut hat viele davon!

Woher beziehst Du Dein Holz? Auf was achtest Du besonders?
Ich kaufe Holz aus Kalabrien und aus der Toskana. Das Toskana-Bruyère nennt man auch „weißes Bruyère“, es ist in Summe heller. Die fertige Pfeife ist z.B. sehr kontrastreich, oder sie bleibt einfach heller. Das hängt natürlich von der Art der Beize ab. Ansonsten sind mir die Größe und Maserungsverläufe der Kanteln wichtig.

Aus welchem Material fertigst Du die Mundstücke?
Alle Mundstücke sind aus Stabmaterial handgeschnitten. Dafür verwende ich Ebonitstäbe aus Deutschland, einfarbig und in Cumberland. Gerne kommt auch Acryl oder Elforyn (Kunstelfenbein) zum Einsatz.

Wie stehst Du zu Applikationen?
Die verarbeite ich ganz gerne, wenn auch bei weitem nicht bei jeder Pfeife. An Materialien nutze ich unter anderem Bambus, Elforyn, oder auch gemustere Materialien wie Juma „Golden Dragon“ oder „White Snake“.

Bevorzugst Du ein bestimmtes Finish oder schließt Du evtl. bestimmte Techniken aus?
Meine aktuell gebauten Pfeifen sind entweder glatt oder sandgestrahlt, ganz selten teil-sandgestrahlt.

Abschlussfragen

Kannst Du schon etwas zu kommenden Projekten sagen?
…Viele wunderbar gemaserte Klötze im Keller warten auf Bearbeitung!

Was möchtest Du Jemandem sagen, der sich an seinen ersten Eigenbau wagen will?
Wenn man es Richtig lernen möchte: Geht zu einem Pfeifenmacher eurer Wahl. Am besten zu einem, der schon länger im Geschäft ist, sich gut auskennt, und dessen Pfeifen man mag. So bekommt man gleich eine gute Beratung, man bekommt die notwendigen Grundkenntnisse vermittelt, und wird sicher ein Erfolgserlebnis bekommen!

Was wäre Dein “Pfeifentraum”?
Die Holz-Röntgenbrille zur Spot Früherkennung! (lacht)

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EIn kleiner Auszug aus Hartmut Heckmanns vielfältigem Portfolio

Zum Verkaufsraum von Hartmut Heckmann

HIER findet ihr zum Kauf verfügbare Pfeifen von Hartmut Heckmann. Der Link leitet weiter zur gourami Pfeifen Galerie.

Über Steffen D. (18 Artikel)
Ich genieße Pfeifen & betreibe die gourami Pfeifen Galerie - den Marktplatz für Freehand Pfeifen http://pfeifen-galerie.de
Kontakt: Webseite

2 Kommentare zu Genießergespräch mit Hartmut Heckmann

  1. Hubert Stolte // 24. Juli 2014 um 10:04 // Antworten

    Schöner Beitrag !!!
    Schöne Fotos…….. 🙂
    Vielen Dank !!!

  2. Ein toller Beitrag! Danke Steffen.

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