Genießer-Gespräch mit Norbert Bauer

Anfang Dezember hatte ich die Ehre, dem erfahrenen Pfeifenbauer Norbert Bauer in seiner Werkstatt in Wald bei Regensburg über die Schulter zu schauen. Im Genießergespräch erzählt er über sich, seinen Werdegang als Pfeifenmacher, die Arbeitsweise und was seine Freehands ausmacht. Ein schöner Nachmittag war es, und Norbert, auch an dieser Stelle nochmals mein Kompliment an Deine Frau: Die Hirschkeule mit Kräuterseitlingen war einfach sensationell. Ich komme wieder! :-)

Norbert Bauer

Persönliches

Bitte verrate uns ein bischen was über Dich!
Nun, das Licht der Welt erblickt hab ich an einem sonnigen Oktobermorgen 1954 in Donaustauf bei Regensburg. Von Beruf bin ich Gartenbauingenieur, und als Hobby bin ich Pfeifenmacher und leidenschaftlicher Bogenjäger. Ich baue auch Bögen und vor allem Pfeile selbst.

Bist Du selbst Pfeifenraucher?
Ja, seit 40 Jahren!

Was sind Deine Lieblingstabake?
Ich habe keine ausgesprochene Lieblingssorte. Generell mag ich Tabake der englischen Richtung, nicht aromatisiert, gerne als Flakes, und mit oder ohne Latakia. Fast alles, nur bloß keine Vanille! (lacht) Die gehört in den Nachtisch, und nicht in die Pfeife…

Norbert  Bauer: Cutty

Cutty ist das Lieblingsshape

…Und Lieblingspfeifen?
Gar nicht einfach zu sagen… Vielleicht ‚meine‘ [Christian] Wolfsteiner, und zwei selbstgemachte Cutties, beide klein, leicht und schwarz rustiziert. Sieht so aus als wäre Cutty wohl meine Lieblingsform! (lacht)

Wie und wann kamst Du auf die Idee eine eigene Pfeife zu bauen?
Das war 1993. Dahinter stand ein einfacher Grund: Ich rauche Pfeifen generell ohne Filter, und hierzulande gab’s im Handel praktisch nur Filterpfeifen! Also habe ich mir meine filterlosen Pfeifen selbst gebaut.

Was hat Dir daran so gut gefallen, so dass Du dabei geblieben ist?
Besonders schön finde ich, dass selbstgemachte Pfeifen absolut einmalige Stücke sind. Es ist einfach schön zu wissen, dass mir niemand mit der gleichen Pfeife im Mund wie ich begegnen kann. Das ist wie bei Frauen die es fürchterlich finden, wenn eine Andere das gleiche Kleid trägt… (lacht)

Welche Serienpfeifen gefallen Dir besonders gut und welche überhaupt nicht?

Dreh-Bohrmaschine

Die kombinierte Dreh- und Bohrmaschine ermöglicht präzises Arbeiten


Gut gefallen mir italienische Marken wie z.B. Ascorti. Mit Roberto Ascorti hab ich mal telefoniert. Er hat mir angeboten: Komm, setz Dich ins Auto, besuch mich in der Werkstatt – ich zeig Dir wie man Pfeifen baut! Diese Offenheit habe ich ihm hoch angerechnet, und seine Pfeifen gefallen mir bis heute!

Wie geht Dein Umfeld mit Deinem nicht ganz alltäglichen Hobby um?
Die sind froh wenn ich in der Werkstatt bin! (lacht)

Der Pfeifenmacher

Hast Du bei bekannten Pfeifenmachern “über die Schulter schauen dürfen”?
Ja, Reiner Barbi hab ich besucht. Mit einer hervorragenden Flasche Whisky im Gepäck… Er hat mir viele Tipps gegeben, von denen ich heute noch profitiere!

Wie kommst Du auf Deine Ideen für die Pfeifen?
Manchmal fallen mir Formen ein, die ich zunächst als Skizzen ganz klassisch mit Bleistift zu Papier bringe. Die Ideen werden durchaus auch auf von anderen Pfeifenmachern bzw. deren Werken inspiriert. Wenn der Entwurf fertig ist heißt aber noch lange nicht, dass die endgültige Pfeife auch so aussehen wird! Das Holz gibt unter Umständen einfach eine andere Form vor. Sei es zum Beispiel durch Löcher im Holz, oder den doch überraschenden Verlauf der Maserung. Ich versuche jede Pfeifenform optimal an das jeweilige Holzstück anzupassen.

Hast Du besondere Vorbilder unter den Pfeifenmachern?
Jetzt loben wir mal den Christian Wolfsteiner… (lacht) Der hat einfach klasse Ideen und ein tolles Auge für ausgefallene Formen, die er obendrein auch noch hervorragend umsetzt. Auf der anderen Seite haben aber auch klassische Pfeifenformen, finde ich, ihre Daseinsberechtigung. Eckhard Stöhr baut tolle Vertreter eher dieser Art.

Wieviele Pfeifen fertigst Du in etwa im Jahr?
Aktuell 25-30 pro Jahr.

Wieviele Arbeitsstunden investierst Du etwa in eine Pfeife?

Norbert Bauer schleift per Hand

Viel Zeit wird dem Feinschliff per Hand gewidmet

Mein Minimum für eine Pfeife sind 10 Stunden Handarbeit. Die meiste Zeit verbringe ich dabei regelmäßig mit dem Finish am Schraubstock: Die Pfeife ist fest eingespannt, und ich feile und schleife, feile und schleife – bis ich zufrieden bin. Zum Beispiel brauche ich regelmäßig sehr lang zum Mundstückpolieren… Irgendeinen Kratzer finde ich da noch immer. An der Stelle kann ich richtiger Pedant sein!

Hast Du das Ziel, hauptberuflich Pfeifenmacher zu werden? Was müsste dafür passieren?
Niemals… Es soll doch weiterhin Spaß machen!

Gibt es spezielle Pfeifenformen, die Du bevorzugst, und welche, die Du gar nicht magst?
Wie eben schon festgestellt: Ich liebe Cutties! Rhodesian mag ich ebenfalls sehr gern. … Hawkbill, die mag ich gar nit.

Hast Du ein Grading für Deine Pfeifen und wenn ja – welches?
Nein. Finde ich für mich nicht notwendig.

In welcher Preisspanne liegen Deine Pfeifen?
Aktuell ca. 160-250 EUR, inklusive Versand. Sehr schöne Maserungen kosten etwas mehr, rustizierte sind günstiger. Sandgestrahlte hingegen verkaufe ich zum gleichen Preis wie Glatte, vorausgesetzt die Maserung ist entsprechend ausdrucksstark.

Wie würdest Du Deine Entwicklung beschreiben? Was unterscheidet Deine ersten Pfeifen von den zuletzt gefertigten?
Die Präzision der Verarbeitung hat sich schon verbessert. Wenn ich heute z.B. einen vierkantigen Holm mache, passt der in allen vier Richtungen perfekt zum Mundstück. Auch benutze ich heute eine größere Vielfalt an Materialien, z.B. Grenadille für Pfeifenköpfe oder eine Vielzahl verschiedener Edelhölzer, sowie Horn- und Knochenarten für Applikationen.

Das Material

Das Material zum Pfeifenbau

Pfeifenköpfe werden aus hochwertigem Plateau-Bruyèreholz, Mooreiche oder Grenadille gemacht

Woher beziehst Du Dein Holz? Auf was achtest Du besonders?
Bruyèreholz kaufe ich aus Italien und Frankreich, direkt von dort ansässigen Händlern. Diese Kontakte habe ich im Laufe der Zeit aufgebaut. Ich nutze ausschließlich hochwertiges Plateauholz, damit wirklich schöne Pfeifen draus werden. Aus meiner Sicht rentiert sich nur so die Handarbeit. Beim Kantel ist mir vor allem die Maserung wichtig. Bei mir lagern die Hölzer ohnehin nochmal recht lange, falls nötig können sie hier in Ruhe z.B. austrocknen.

Aus welchem Material fertigst Du die Mundstücke?
In erster Linie nutze ich hochwertiges Ebonit und Acryl, wobei mir persönlich Ebonit noch lieber ist. Das lässt sich schöner verarbeiten. Manchmal nutze ich auch weißes Elforyn, also Kunst-Elfenbein. Alle meine Mundstücke werden übrigens in Handarbeit aus reinem Stangenmaterial gemacht. Ich benutze keine vorgefertigten Mundstücke!

Wie stehst Du zu Applikationen?
Klar, die verwende ich! Gerne fertige ich Ringe oder Holmverlängerungen aus Edelhölzern wie Zebrano, Ebenholz. Oder auch aus Horn, Knochen, sowie (natürlich legal erworbenem!) Elfenbein und Mammutelfenbein.

Bevorzugst Du ein bestimmtes Finish oder schließt Du evtl. bestimmte Techniken aus?

Munstücke aus Ebonit, Acryl, Elforyn

Munstücke werden aus Stangen- und Blockmaterial handgefertigt: Ebonit, Acryl, Elforyn


Sandgestrahlte Pfeifen sind mir die liebsten, wenn die Maserung stimmt. Ich stelle aber natürlich auch glatte und rustizierte Pfeifen her. Bloß lackierte Oberflächen mag ich nicht so gerne, alle meine Pfeifen werden daher ausschließlich gewachst.

Abschlussfragen

Kannst Du schon etwas zu kommenden Projekten sagen?
Ich werde mich mit Pfeifenstopfern befassen! Und zwar mit massiven Exemplaren aus Stahl, Bronze oder Messing.

Was möchtest Du Jemandem sagen, der sich an seinen ersten Eigenbau wagen will?
Das wichtigste ist, dass sich die Pfeife ordentlich rauchen lässt! Dafür müssen vor allem die Bohrungen sitzen, also Kopf-, Holm- und Mundstückbohrung müssen jeweils exakt aufeinander passen. Das Design ist erstmal zweitrangig. Und: Nicht zuviel auf Lobe von der Schwiegermutter geben! (lacht) Sonst entwickelt man sich vielleicht nicht genug weiter – die ersten selbst gefertigten Pfeifen sind ganz normal noch weit von großen Kunstwerken entfernt!

Was wäre Dein “Pfeifentraum”?
Die absolut perfekte Maserung… Straight Grain überall… wobei… ob so ein Zebrastreifen wirklich was aussieht!? (lacht)

Das Gespräch wurde geführt im Dezember 2013 von Steffen Dressler

Aktuell in der Pfeifen Galerie

http://pfeifen-galerie.de/norbert-bauer/

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Über Steffen D. (18 Artikel)
Ich genieße Pfeifen & betreibe die gourami Pfeifen Galerie - den Marktplatz für Freehand Pfeifen http://pfeifen-galerie.de
Kontakt: Webseite

4 Kommentare zu Genießer-Gespräch mit Norbert Bauer

  1. Bitteschön, freut mich dass euch der Artikel gefällt!

    Bernd, ja, ich denke es lohnt sich, Norbert und seine Pfeifen im Auge zu behalten! Es ist wirklich Zeit dass er einem breiteren Publikum bekannt wird, er baut schon seit über 20 Jahren sehr schöne und hochwertige Pfeifen… Übrigens auch sehr gut rauchbar, was ich an mittlerweile 2 Exemplaren regelmäßig nachprüfe. 🙂

    Der liebe René Lehmann hatte Norbert übrigens schon in 2012 entdeckt:
    http://youtu.be/Fgpnqkhpeik

    Liebe Grüße,
    Steffen

  2. Auch von mir vieln Dank für den interessanten Artikel… hatte ich glatt übersehen und ihn erst jetzt gelesen.
    Gruss,
    Kai-Uwe.

  3. Eieiei, nun habe ich doch glatt vergessen, mich für das schöne Interview zu bedanken! 🙂
    Tolle Pfeifen hat er in Deinem Shop eingestellt – Respekt!
    Hatte bisher noch nie von ihm gehört oder gelesen – aber das zu ändern ist ja auch ein Ziel unserer „Genießer-Gespräche“ 😉

  4. Ein mir neuer, aber sehr interessanter Pfeifenmacher.
    Werde ich mich mal näher nach umsehen müssen.

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